Die Polytheisten von Mekka forderten den Propheten (Friede sei mit ihm) nicht auf, Gott zu sehen. Sie verlangten lediglich ein Zeichen – zum Beispiel, dass ein Engel zu ihm herabgesandt würde. Wie antwortete Gott auf diese Bitte?
وَقَالُواْ لَوْلَآ أُنزِلَ عَلَيْهِ مَلَكٌ ۖ وَلَوْ أَنزَلْنَا مَلَكًا لَّقُضِىَ ٱلْأَمْرُ ثُمَّ لَا يُنظَرُونَ (الأنعام - 8)
Und sie sagen: 'Warum wurde kein Engel zu ihm herabgesandt?' Würden Wir aber einen Engel hinabsenden, wäre die Angelegenheit entschieden, und ihnen würde kein Aufschub gewährt.
(Sure al-Anʿām, 6:8)
Hätte Gott also einen Engel herabgesandt, wäre die Prüfung des Lebens augenblicklich beendet gewesen, und die Menschen hätten sofort für ihren Unglauben bestraft werden müssen. Es wäre, als ob jemand eine Prüfung betritt und die Antworten bereits in der Hand hält. In einem solchen Fall hätte die Prüfung keinen Sinn mehr.
Das Leben ist ein Test, um herauszufinden, wer an Gott glaubt, ohne Ihn zu sehen. Dieser Glaube soll auf rationalen Beweisen basieren. Wenn du beispielsweise bei Sonnenschein im Freien stehst und jemanden fragst, ob die Sonne scheint, wird die Person ohne Zweifel "Ja" sagen. Dies ist jedoch ein erzwungener Glaube – ich werde durch die offensichtliche Präsenz der Sonne dazu gezwungen, sie zu akzeptieren.
Ein solcher erzwungener Glaube bringt jedoch weder Belohnung noch Strafe mit sich, da keine freie Entscheidung involviert ist. Der Glaube an Gott, an die Wahrheit der Prophetie und die Authentizität der Botschaft erfordert dagegen die aktive Arbeit des Verstandes. Daher sind Belohnung und Strafe mit diesem Glauben verbunden.
Derjenige, der an Gott glaubt, ohne Ihn gesehen zu haben, wird für seine Überzeugung belohnt. Und derjenige, der diesen Glauben verweigert, wird für seinen Unglauben zur Rechenschaft gezogen.